Geschichte

Beindersheim, einst und jetzt

Beindersheim wird - wie so viele Orte im ehemaligen Wormsgau - erstmals im Lorscher Codex unter dem Ortsnamen Benetritesheim Anno 855 genannt.

Der Name, wohl abgeleitet aus dem Heim des Bandarit, wandelte sich später über "Bentersheim" zur heutigen Form des Namens Beindersheim.

Ursprünglich dem Herzogtum der Franken zugeordnet, gehörte der Ort später zum deutschen Königsland. Danach dürfte der Ort, in der Zeit Konrad II., unter der Herrschaft der Salier gestanden haben, bis möglicherweise noch vor 1237 Beindersheim an die Grafen von Leiningen gelangte.

Kurpfälzisch wurde Beindersheim 1481, und von da wechselte der Ort Anno 1705 in den Besitz des Wormser Hochstifts. Diese Herrschaft endete 1797, als die linksrheinischen Gebiete Frankreich angeschlossen wurden. Der Wiener Kongreß brachte eine Neuaufteilung Europas. So kamen Teile der linksrheinischen Gebiete zu Bayern. Speyer wurde Regierungssitz des Bayerischen Rheinkreises.

Das Bayerische Bezirksamt Frankenthal entstand 1817, und es war nahe liegend, daß Beindersheim diesem Amt zugeordnet und so eine selbständige Gemeinde wurde. Das Bezirksamt Frankenthal überstand die beiden Weltkriege und erfuhr 1946, als das Land Rheinland-Pfalz durch eine Verordnung des französischen Oberkommandos geschaffen wurde, eine Neuorientierung. Für Beindersheim bedeutete dies (n.d. Kreistagswahl 1948) Zugehörigkeit zum Landkreis Frankenthal. 1969 erfolgte die Zuordnung zum Landkreis Ludwigshafen und 1972 die Eingliederung in die Verbandsgemeinde Heßheim.

Geographisch gesehen liegt Beindersheim in der Oberrheinischen Tiefebene zwischen Rhein und Haardtgebirge. Berührt wird das Dorf von Schenkel- und Eckbach. Viehweiden und die beiden damals wasserreichen Bäche waren über viele Jahrhunderte die Lebensadern des Dorfes.

Der fruchtbare Boden und das milde Klima verhalfen der Landwirtschaft zur Blüte, so daß Beindersheim als Bauerndorf in die Geschichte einging. Der Wandel zur Wohngemeinde vollzog sich in den sechziger Jahren dieses Jahrhunderts.

Der historische Ortskern liegt sicherlich in dem Abschnitt Schenkelstraße - Enggasse. Das alte Beindersheim hatte den Charakter eines "Einstraßendorfs" wie ein Plan von 1841 ausweist. Aufzeichnungen lassen darauf schließen, daß schon im Jahre 874 eine Kirche im Bereich der heutigen Kirchenstraße Nr. 7 stand. Nach 1698 (Pfälzischer Erbfolgekrieg) wurde die Kirche von Protestanten und Katholiken genutzt. Diese konfliktträchtige Situation war mit der Einweihung der katholischen Kirche HL Kreuz, St. Peter und St. Nikolaus im Jahre 1916 beendet.

Nach dem 2. Weltkrieg begann für die Gemeinde, bedingt durch ihre Lage im Einzugsbereich der Städte Mannheim, Ludwigshafen, Frankenthal und durch den Flüchtlingsstrom aus dem Osten eine stürmische Entwicklung. Von 1945 bis heute stieg die Einwohnerzahl von 844 auf über 3150 Einwohner an. Neue Straßenzüge und Dorfviertel entstanden. Diese Neubaugebiete umschließen kranzartig den alten Ortskern.

Aus dem ehemaligen Einstraßendorf ist ein Haufendorf als Wohngemeinde entstanden. Die stürmische Bevölkerungsentwicklung forderte von der Gemeinde große Anstrengungen. Ein Schulhausneubau war 1972 notwendig geworden. Die Albrecht-Dürer-Schule nimmt zur Zeit ca. 175 Kinder (auch aus Nachbargemeinden) auf. Mit Unterstützung der Gemeinde wurde der protestantische Kindergarten errichtet.

Zu einem kommunikativen Mittelpunkt ist das Gemeindezentrum (ehemalige alte Schule) geworden, das eine Bücherei, Übungsräume für die Vereine und einen Bürgergarten umfaßt. Das rasche Wachstum Beindersheims erforderte auch die Verbesserung der Infrastruktur: Neben dem Ausbau der Straßen und der optimierten Energieversorgung ist in erster Linie die Anlage des Gewerbegebiets Sturmgewanne zu nennen. Das hohe Pro-Kopf-Einkommen der Beindersheimer und die über 35 Gewerbebetriebe sowie eine kostenbewußte Haushaltsführung verleihen der Gemeinde eine solide finanzielle Ausstattung, die es erlaubt, beruhigt in die Zukunft zu schauen.

 

Hermann Mohr